
In diesem Essay geht es um die Bedeutung von Liebe und Authentizität, es sei vorab angemerkt, dass der Text einseitig auf den Yang-Aspekt der Liebe eingeht, welcher der Ruf nach höheren Standards ist, während der mitfühlende Yin-Aspekt der Liebe weniger behandelt wird, vielleicht weil diese Vorstellung der Liebe schon ausreichend bekannt ist.
Es ist wie Yin und Yang, das weibliche und männliche Prinzip, ohne den Ruf nach höheren Standards führt Liebe und Mitgefühl zu Abhängigkeit von dem liebenden und geliebten.
Der Mensch braucht die Konfrontation mit schweren Dingen, um sich Selbstrespekt zu erarbeiten, der nur entsteht, wenn eine harte Sache gemeistert wurde. In diesem Sinne kann Liebe auch bedeuten das Potenzial im anderen zu sehen.
Die Liebe alleine ist nicht vollkommen, es bedarf Aufrichtigkeit und vor allem Authentizität, unauthentische Liebe ist nicht vorstellbar, dann hört die Liebe auf zu sein was sie ist, wahrhaftige tiefe Liebe muss immer auch authentisch sein. Authentizität können wir wie folgt definieren: Authentizität [bedeutet] sich gemäß seinem wahren Selbst, d. h. seinen Werten, Gedanken, Emotionen, Überzeugungen und Bedürfnissen auszudrücken und dementsprechend zu handeln, und sich nicht durch äußere Einflüsse bestimmen zu lassen (Harter, 2002). Gruppenzwang und Manipulation beispielsweise unterwandern persönliche Authentizität.(1)
Unbequeme Wahrheiten:
„Dort wo du am wenigsten schauen möchtest findest du das, was du am meisten brauchst“
-Carl G. Jung
Ein guter Freund ist jemand, der uns die unbequemsten Wahrheiten sagen kann, vielleicht ist das notwendig, weil das was uns am meisten Unbehagen bereitet, vielleicht das ist, worüber wir uns bewusst werden sollten, damit Heilung einsetzen kann.
Vielleicht ist das was wir am meisten brauchen, dass was wir am wenigsten haben und wahrhaben wollen.
Ist es nicht so, dass das unehrliche Wort eines Feindes uns nicht vermag zu betören, dafür aber die wahrhaftige Kritik eines Freundes unser geliebtes Ego, vermag zu zerstören?
Ist es nicht so, dass wenn die Wahrheit angenehm uns genussvoll wäre, wir schon längst uns an ihr satt gegessen hätten, Schmeichelei und falsches „Lob“ sind höchst genüsslich und doch voller leerer Kalorien, denn unser Bauch wird niemals voll davon.
Wir sind wie die hungrigen Geister der buddhistischen Mythologie, mit dünnen Hälsen und dicken Bäuchen immer hungrig nach Lob und Bestätigung.
Die Wahrheit ist die bittere Medizin die wir erst schlucken, wenn sie als das geringere Übel zum Schmerz des seelischen Siechtums ist.
Es wäre so einfach, wären wir nicht Meister im Selbstbetrug, denn der stechende Schmerz eines kaputten Beines würde das heiße Feuer der Heilung entfachen, aber wir ziehen es vor uns zu betäuben und humpeln durch den Tag.
Wir „lächeln“ selbst unseren Feinden ins Gesicht und sind voller übertriebener „Nettigkeit“ und doch schläft das Biest in unserem inneren nicht und schmiedet von Ressentiments getriebene Rachepläne, die wir nie ausführen, weil wir zu feige sind.
Wer aber nur ein guter Mensch ist, weil er zu feige ist böses zu tun, der ist nicht wahrlich gut, nur der Mensch der den Mut hat laut „Nein“ zu sagen und dieses „Nein“ notfalls bereit ist zu verteidigen, ist wahrhaftig gut.
Der gute Mensch ist der, der in der Lage ist schlechtes zu tun und die freie Entscheidung fällt es nicht zu tun.
Der gute Mensch sieht ein dickes Geldbündel auf der Straße und gibt es bei der Polizei ab, der unauthentische Mensch denkt von sich er sei gut, weil er in der Theorie nur gutes tun würde, in Praxis verwirft dieser Mensch seine Ideale, nur um nicht alleine zu stehen.
Der gute Mensch verschränkt seine Arme, wenn alle anderen ihren Arm heben und mit animalischer Wildheit „Heil Hitler“ brüllen, er wird dadurch gut, dass er die freie Entscheidung für seine Integrität fällt und die negativen Konsequenzen zu tragen bereits ist, das macht ihn erst zu einem guten Menschen.
Der Mensch der, der Herde der „Guten“ folgt, wird dadurch nicht automatisch gut, sondern erst durch die freie Entscheidung für seine Werte notfalls auch alleine einzustehen.
„Man muss den schlechten Geschmack ablegen, mit vielen übereinstimmen zu wollen. „Gut“ ist nicht mehr gut, wenn der Nachbar es ausspricht. Und wie sollte es ein „gemeinsames Gut“ geben! Der Begriff widerspricht sich selbst: Was gemeinsam sein kann, hat immer wenig Wert. Am Ende muss es so sein, wie es ist und immer war: Großes bleibt für die Großen, Abgründe für die Tiefgründigen, Nuancen und Schauder für die Raffinierten, und, kurz gesagt, alles Seltene für die Seltenen.“ Friedrich Nietzsche
Wir realisieren, dass unser „Rückgrat“ biegsam ist und mit jedem Tag des sich zufrieden Gebens zum Wohle des „sozialen Friedens“ sinkt unser Kopf etwas weiter Richtung Erde, bis wir uns letztendlich nur noch kriechend fortbewegen und wir selbst und nicht andere, das zentrale Objekt unseres „Mitleids“ werden.
Aber wie sagte schon der Prophet Jeremia: „Falsche Propheten schreien: „Frieden“! „Frieden“! Obwohl es in Realität keinen Frieden gibt.“
Kinder haben die Eigenschaft uns so lange zu picken bis wir ihnen Grenzen aufzeigen, wer könnte es ihnen Übel nehmen, sie geben uns die Möglichkeit etwas über uns selbst zu lernen und dafür können wir dankbar sein.
Genauso können wir dankbar sein für alle Kritiker und unangenehmen Menschen, denn wir können soviel von ihnen lernen, berechtigte Kritik macht uns besser, unberechtigte Kritik macht uns besser in unserer Standfestigkeit.
Wäre es nicht wesentlich mitfühlender mit dem Traurigen mittrauern, mit dem Leidenden mitzuleiden, aber auch zwei Nullen ergeben keine Eins und geteiltes Leiden ist immer noch doppeltes Leiden.
Wäre es nicht besser in dem Leidenden die Sehnsucht nach Glück zu sähen, wie der Kapitän der in seiner Mannschaft die Sehnsucht nach der weiten Welt weckt.
Wäre es nicht besser wir würden uns wertschätzend loben und preisen, aber ist ein lügenhaftes Lob nicht das tödlichste Gift?
„Schatz du siehst fantastisch aus, sagte der Ehepartner und musterte seine Frau kritisch“.
„Das hast du gut gemacht mein Sohn, eine 6 in Mathematik ist immerhin besser als von der Schulen zu fliegen.“
Ein ernsthafter Freund ist doch jemand, der das beste für dich will, jemand der deine Kapazität für brillante erhebende Arbeit anerkennt und dich herausfordert dein Potenzial zu erfüllen, weil er weiß, dass du sonst todunglücklich sein wirst, spätestens auf dem Sterbebett.
Sollen wir einen jungen Menschen ermutigen so zu bleiben wie er ist, getrieben von den Trieben seiner animalischen Natur, oder sollten wir ihn ermutigen sich so viel höher zu erheben, dass die Prophezeiung der Mensch sei im Ebenbild Gottes erschaffen worden, zumindest in einem Menschen wahr gemacht wird.
Warum das Feuer fürchten? Warum stattdessen in einem dunklen Loch vegetieren?
Warum den Kopf in vorauseilendem Gehorsam einziehen, wie der Nagel welcher sich selbst aus Furcht vor dem Hammer tief in die Wand versenkt, warum nicht den Kopf herausstrecken?
Der Hammer wird uns unvermeidlich treffen, und vielleicht ist das nur ein Härtetest und wie wäre es ein Nagel zu sein, den selbst der größte Hammer nicht in die Wand bekommt? Vielleicht würde das die anderen Nägel inspirieren ihre Köpfe heraus zu stecken?
Wie sollte der Phönix jemals wieder fliegen, wenn er nicht sein altes Gefieder verbrennen würde? Wie sollte die Schlange jemals ihr schönes Muster erhalten, wenn sie sich nicht häuten würde?
Wie sollte der Wurm jemals zum Schmetterling werden, wenn er nicht sein altes „Ich“ auf dem Altar der Liebe zu höheren Standards opfern würde, denn mit weniger Ballast fliegt es sich unbeschwerter
Der Buddha sagte schon Anhaftung ist Leiden, aber vielleicht ist es nicht das Leiden, dass an uns anhaftet, sondern wir haften an dem Leiden an.
Leiden und vielleicht auch Furcht haftet an uns, wie ein zweiter Schatten, Furcht wovor? Furcht vor Freiheit? Furcht vor dem Fliegen?
Wie sagte Hermann Hesse:
„Der Antrieb, der einen fliegen lässt, ist unser großer menschlicher Besitz. Jeder hat ihn. Es ist das Gefühl, mit den Wurzeln der Macht verbunden zu sein, aber man fürchtet sich bald vor diesem Gefühl…deshalb legen die meisten Menschen ihre Flügel ab und ziehen es vor, zu gehen und dem Gesetz zu gehorchen.“ (Hermann Hesse, Demian)
Vielleicht ist es unsere Anhaftung an unser Selbstmitleid, die uns am Boden hält, es wäre interessant zu wissen wie es aussehen würde, wenn wir Bodenhaftung verlieren und anstatt wie ein Wurm zu kriechen, wie ein Phönix aus der Asche auffliegen würden.
Aber nicht zu hoch zur Sonne, denn sonst verbrennt man sich die Flügel, wer hochfliegt, kann auch tief fallen, aber sollten wir deswegen am Boden verbleiben?

Quellen:
1:https://de.wikipedia.org/wiki/Authentizit%C3%A4t#Allgemeines
